Zinswende ETF Sparplan

Zinswende 3.0: Lohnt sich mein MSCI World Sparplan noch bei fallenden Zinsen?

Warum der DAX zum Prüfstein für die nächste Dekade wird

Die Ära des billigen Geldes ist vorbei. Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins in historische Höhen getrieben, um einer entfesselten Inflation Herr zu werden. Dieser makroökonomische Paradigmenwechsel stellt die bislang erfolgreichste Privatanleger-Strategie – den kostengünstigen ETF Sparplan auf breit diversifizierte Indizes – auf eine harte Bewährungsprobe. Der DAX Performance Index (^GDAXI), Deutschlands Leitbarometer, steht im Epizentrum dieser Transformation. Er ist kein reiner Technologie-Index wie der NASDAQ, aber auch kein reiner Value-Index; er ist eine einzigartige Mischung aus globalen Exporteuren, zyklischen Industrieunternehmen und einem wachsenden Anteil an Technologiewerten. Diese Konstellation macht ihn zum perfekten Prüfstein, um die Widerstandsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der Sparplan-Strategie in einem Hochzinsumfeld zu analysieren. Die zentrale These dieser Analyse lautet: Während die Phase der einfachsten Gewinne vorüber ist, bietet die aktuelle Volatilität des DAX langfristig orientierten Sparern eine historische Chance, Anteile an deutschen Weltmarktführern zu einem fairen Preis zu erwerben. Die Zinswende separiert nun die taktischen Allokateure von den strategischen Investoren.

Volatilität verstehen, um Chancen zu quantifizieren

Um die Risikolandschaft des DAX und deren Implikationen für einen Sparplan zu verstehen, müssen wir uns von oberflächlichen Betrachtungen lösen und die zugrundeliegende Volatilität formal modellieren. Die annualisierte Volatilität ist die entscheidende Kennzahl, um das Schwankungsrisiko eines Assets zu erfassen und über verschiedene Zeiträume vergleichbar zu machen. Sie wird durch folgende Formel berechnet:

$$\sigma = \sqrt{\frac{1}{N-1}\sum_{i=1}^{N}(r_i – \bar{r})^2} \times \sqrt{252}$$

Hierbei steht jede Komponente für einen klaren analytischen Baustein:

\(N\): Die Anzahl der Beobachtungstage (z.B. 30 oder 252 Handelstage).

\(r_i\): Die tägliche logarithmische Rendite des DAX an einem bestimmten Tag i.

\(\bar{r}\): Die durchschnittliche Tagesrendite des DAX über den betrachteten Zeitraum N.

\(\sum_{i=1}^{N}(r_i – \bar{r})^2\): Die Summe der quadrierten Abweichungen jeder Tagesrendite vom Durchschnitt. Dies misst die Gesamtstreuung der Daten.

\(\sqrt{\frac{1}{N-1}\sum_{i=1}^{N}(r_i – \bar{r})^2}\): Die Quadratwurzel dieser gemittelten Abweichungen ergibt die Standardabweichung der Tagesrenditen.

\(\times \sqrt{252}\): Dieser Schritt annualisiert die Volatilität. Da ein Jahr etwa 252 Handelstage hat, skalieren wir die tägliche Schwankung hoch, um ein jährliches Risikomaß zu erhalten.

Für einen ETF Sparplan ist diese Kennzahl von existentieller Bedeutung. Eine hohe Volatilität (σ) bedeutet größere Kursschwankungen. In der Vergangenheit, als Kurse nahezu monoton stiegen, war dies ein nebensächlicher Faktor. Heute, in der Zinswende, ist sie die Quelle sowohl des Risikos als auch der Opportunität. Sie quantifiziert den „Discount“, den ein Sparer für seine regelmäßigen Käufe in turbulenten Phasen erhält, und definiert gleichzeitig das maximale Drawdown-Risiko, das sein Portfolio erfahren kann.


Der DAX im Stresstest der Zinswende

Die Anwendung unseres Modells auf die aktuellen Daten zeichnet ein klares Bild. Bei einem Kurs von 24.162,65 Punkten weist der DAX eine 30-Tage-Volatilität von 13.81% auf. Setzen wir dies in die Praxis um: Eine annualisierte Volatilität von 13.81% bedeutet, dass die tägliche Volatilität bei etwa 0.87% liegt (13.81% / √252). Konkret heißt das, dass an einem durchschnittlichen Handelstag mit einer Wahrscheinlichkeit von 68% (eine Standardabweichung) mit einer Bewegung des DAX zwischen -0.87% und +0.87% gerechnet werden kann.

Im historischen Kontext ist dieses Niveau erhöht, aber nicht außergewöhnlich. Es reflektiert die nervösen Märkte, die zwischen der Furcht vor weiterhin restriktiver Geldpolitik und der Hoffnung auf eine weiche Landung der Wirtschaft hin- und hergerissen sind. Ein Vergleich mit anderen großen Indizes unterstreicht die spezifische Position des DAX: Er ist volatiler als der eher defensive Euro Stoxx 50, aber deutlich weniger volatil als der tech-lastige NASDAQ-100, der besonders zinsempfindlich ist.

Für den ETF Sparplan übersetzt sich dies in eine konkrete Opportunity. Die monatliche Investition fällt nicht mehr auf ein stetig steigendes, sondern auf ein schwankendes Niveau. In Monaten mit negativer Performance kauft der Sparer effektiv mehr Anteile für denselben Betrag – er nutzt die Volatilität zu seinem Vorteil und senkt seinen durchschnittlichen Einstandspreis (Cost-Average-Effect). Die aktuelle Volatilität von 13.81% ist somit kein Grund zur Panik, sondern die notwendige Voraussetzung für diesen Mechanismus. Ohne Volatilität gibt es kein Cost-Averaging.


Alpha-Generierung und Risikomanagement im Fokus

Alpha-Chancen: Der größte Vorteil in der aktuellen Phase liegt in der Fehlbewertung von Qualitätsunternehmen innerhalb des DAX. Der pauschale Abverkauf aufgrund makroökonomischer Ängste hat fundamental starke Titel mit robuster Pricing-Power und gesunden Bilanzen mitgerissen. Ein ETF Sparplan auf den gesamten Index ermöglicht es, diese Werte zu diskontierten Preisen zu akkumulieren, ohne das idiosynkratische Risiko einer Einzelaktienwette einzugehen. Das Alpha liegt in der systematischen, unemotionalen Ausnutzung der makrogetriebenen Volatilität.

Risikofaktoren: Unsere tiefgreifende Verteilungsanalyse offenbart jedoch die Kehrseite der Medaille. Die Kennzahlen zeigen eindeutig „Fat Tails“:

– Jarque-Bera p-Wert: 0.0 (Weicht signifikant von einer Normalverteilung ab)

– Kurtosis: 3.49 (>3, deutet auf fat tails hin)

Dies bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit für extreme Kursbewegungen (sowohl nach oben als auch nach unten) höher ist, als ein einfaches Volatilitätsmodell erwarten ließe. Ein „Black Swan“-Event, ausgelöst durch eine Eskalation des inflationsbedingten politischen Drucks oder eine unerwartet tiefe Rezession, stellt ein reales Risiko dar.

Positionierung & Absicherung: Unsere Haltung ist ein konviktionsstarkes Long für langfristige Sparplan-Strategien. Die Überzeugung liegt bei 8/10. Für institutionelle Mandate oder risikosensible Anleger, die ihr Portfolio absichern möchten, empfehlen wir eine Core-Satellite-Strategie. 90% der Allokation können in den kostengünstigen DAX-ETF-Sparplan fließen (Core). Die verbleibenden 10% können für taktische Absicherungen verwendet werden, beispielsweise über minimale Allokationen in inflationsgeschützten Anleihen (Linker) oder über dynamische Stop-Loss-Strategien in turbulenten Phasen, um das Drawdown-Risiko der Fat Tails zu begrenzen.


Die strategische Allokation bleibt intakt

Ist der DAX auf einem Niveau von 24.160 Punkten investierbar? Ja, absolut – allerdings ausschließlich durch die Linse einer langfristigen, strategischen Sparplan-Strategie. Der kurzfristige Ausblick (3 Monate) bleibt aufgrund der Zinsunsicherheit und der Fat-Tail-Risiken volatil und neutral. Der mittelfristige Ausblick (12 Monate) fällt hingegen positiv aus. Sobald die Zinswende ihr Finale erreicht und die Märkte Planungssicherheit zurückgewinnen, werden die fundamentalen Stärken der DAX-Unternehmen, die in der Hochinflationsphase aufgebaut wurden, voll durchschlagen. Die Schlüsselkatalysatoren, die beobachtet werden müssen, sind die Kerninflation in der Eurozone, die Kommunikation der EZB und die Gewinnmarginenerwartungen für Q4/2024 und Q1/2025. Der ETF Sparplan ist nicht tot; er hat lediglich seine Feuertaufe.

Für eine vertiefende Bewertungsperspektive empfehlen wir unseren Forschungsbeitrag: Ist der DAX zu teuer? Das Shiller-KGV im historischen Vergleich.

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Aktuelles Risikoprofil: 🟡 MODERATES RISIKO (13.81% annualisierte Volatilität)

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Disclaimer: Diese Analyse dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken
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