Deutsche Autoaktien Krise: Turnaround-Wette oder Value-Falle?
- Contrarian Play: VW handelt bei 0.3x Kurs/Umsatz – historisches Tief seit Dieselgate
- Liquiditätsfalle: Free Cash Flow deckt Dividende nur noch zu 67% (Q2 2023: €2.1 Mrd. vs. €3.1 Mrd. Ausschüttung)
- Gamma-Squeezepotenzial: 18% Short-Interest bei Options-Implied Volatility von 42%
Der stotternde Motor: Warum VW zum Kanarienvogel wird
Die Börse atmet in Zyklen, doch der Autosektor schnauft wie ein überhitzter V8 auf der Autobahn. Volkswagens Aktie – einst deutscher Teflon-Wert – zeigt Risse im Lack: 52-Wochen-Tief bei 104.50€, eingepreiste Elektro-Flopängste, und ein Newsfeed, der mehr über Wohnungskäufe in Gaza spricht als über Batteriezellproduktion.
Märkte sind narzisstisch. Sie bestrafen heute, was sie gestern vergötterten. VWs Problem ist nicht das fehlende Elektro-Know-how (die Plattform SSP kommt 2026), sondern die Kapitalallokation. Während Tesla mit 28% Bruttomarge durch die Inflation surft, frisst VWs Verbrenner-Erbe die Bilanz: Jeder zweite Euro Umsatz fließt in CAPEX für Fabrikumbauten – ein klassischer Value Trap.
Doch hier liegt die Falle für Bären: Der Konzern hat noch immer €86 Mrd. liquide Mittel (Q2 2023). Das sind 82% der Marktkapitalisierung! Die Börse bewertet das operative Geschäft effektiv mit Null – als ob Wolfsburg morgen schließt. Eine irrationale Diskonntierung, die an General Motors 2008 erinnert.
Fundamentale Autopsie: Zahlen lügen nicht
Rechnen wir mit dem, was da ist:
| Metrik | VOW3.DE | Schnitt (DAX Auto) |
|---|---|---|
| KGV (ttm) | 7.79 | 12.4 |
| EV/EBITDA | 3.2 | 6.1 |
| Dividendenrendite | 8.3% | 5.1% |
| Eigenkapitalrendite | 9.8% | 14.6% |
Die Zahlen schreien „Value“. Doch die Eigenkapitalrendite unter 10% verrät: Hier wird Kapital verbrannt, nicht vermehrt. Die Crux: VW muss gleichzeitig Verbrenner abschmelzen (30% der Marge) und Batterien hochskalieren (CAPEX: €30 Mrd. bis 2026). Ein Drahtseilakt, den die Börse nicht mehr glaubt.
Der Lügendetektor: Grahams Formel entzaubert VW
Benjamin Grahams „Intrinsic Value“-Formel wirkt wie ein Financial MRI:
\[ V = \frac{EPS \times (8.5 + 2g) \times 4.4}{Y} \]
Einsetzen der aktuellen Daten:
- EPS (13.41€): Die letzte Gewinnwarnung frisst 22% der Schätzung
- g (Wachstum): Konsensus -1.5% p.a. für nächste 5 Jahre – Elektrohoffnung vs. Verbrennersterben
- Y (Rendite AAA-Anleihen): 4.4% (Deutschland 10Y)
Ergebnis: \( V = \frac{13.41 \times (8.5 + 2 \times -1.5) \times 4.4}{4.4} = 73.76€ \). Die Formel sagt: Noch 30% Luft nach unten.
Ist die Aktie aktuell zu teuer?
Die Wettscheibe: Drei Pfade für 2024
Bullen-Szenario (30% Wahrscheinlichkeit):
China-Konjunktur springt an, E-Auto-Subventionen verdoppeln sich. VW nutzt Staatsnähe für günstige KfW-Kredite. Kursziel: 160€ (15x P/E).
Basisszenario (50%):
Zermürbungskampf. Porsche IPO-Cash hält Dividende stabil, aber Margen erodieren weiter. Seitwärtsbewegung 90-120€.
Bären-Szenario (20%):
UAW-Streiks greifen auf Europa über, BASF liefert keine Batteriechemie. Crash auf 65€ (Buchwert).
Urteil: Kein Hedge ohne Short
VW ist kein „Buy & Forget“, sondern ein taktisches Spiel. Mein Move:
- Core Position: 5% Portfolio in VOW3 (Dividenden-Cover durch Verkauf von OTM-Calls)
- Hedge: Long Put-Spread (Jan 2025, 95€/75€) für 3.50€ Prämie
- Spekulation: Short EUR gegen CNY (China ist 40% vom Umsatz)
👉 TradingView-Charts mit meinen Echtzeit-Levels
FAQs für Smart Money
Warum nicht gleich short gehen?
Weil 8% Dividende den Carry zu teuer macht. Besser synthetisch via Put-Spreads.
Wie steht VW vs. BYD?
BYD wächst mit 60% p.a., hat aber P/E von 35. VW ist das baire Wertspiel.
Wann kommt der Turnaround?
Signal: Wenn SSP-Plattform 25% der Auslieferungen stellt (aktuell 3%).