Chemie Aktien

Chemie & Pharma: Die Comeback-Wette des Jahres 2026? (Chemie Aktien)

BASF SE (BAS.DE) steht aktuell bei 44,51 € mit einem extrem hohen KGV von 130,91. Der Chemieriese kämpft mit strukturellen Herausforderungen, während die Branche unter Energiekosten und Nachfrageschwäche leidet. Langfristig könnten Spezialchemie und Wasserstoff-Initiativen den Ausschlag geben.
  • Bewertungsseismic: KGV 130,91 vs. Sektor-Durchschnitt 15-20
  • Margen-Einfluss: Europäische Energiepreise 37% über globalem Niveau
  • Kapitaldisziplin: FCF-Yield von 4,2% unter Sektorspitze
  • Wachstumshebel: 12,4 Mrd. € F&E-Budget für Spezialchemie
  • Geopolitisches Risiko: 27% China-Exposure im Kerngeschäft

Die 100-Milliarden-Euro-Wette: BASF im Chemie-Krieg der Kontinente

Der BASF-Kurs bei 44,51 Euro spiegelt eine fundamentale Zerrissenheit wider: Während der DAX-Konzern noch immer das Prädikat „Blue Chip“ trägt, zeigen die Zahlen des zweiten Quartals 2024 beunruhigende Risse im Fundament. Das astronomische KGV von 130,91 – normalerweise ein Indikator für hyperwachstumsgetriebene Tech-Titel – steht in groteskem Kontrast zum aktuellen EPS von lediglich 0,34 Euro. Analysiert man die Newsflow-Landschaft, wird deutlich, dass hier nicht nur ein Unternehmen, sondern eine gesamte Branche um ihr Überleben kämpft.

Anatomie einer Branche im Umbruch

Die Chemieindustrie durchläuft derzeit ihre tiefgreifendste Transformation seit der Erfindung des Steamcrackers. Europäische Spieler wie BASF sehen sich einem perfekten Sturm aus drei Fronten gegenüber: Erstens explodierende Energieinputkosten durch den geopolitischen Bruch mit Russland. Zweitens protektionistische Subventionswettläufe zwischen USA (Inflation Reduction Act) und China (Made in China 2025). Drittens ein genereller Nachfragerückgang in Schlüsselsegmenten wie Bauchemikalien (-14% YoY) und Automobillacken (-9% YoY).

Die Quartalszahlen offenbaren, wie tief diese Krisen in die Bilanz einschlagen. Während der Umsatz mit 19,3 Mrd. Euro nominell stabil wirkt, zeigen adjustierte Zahlen ein anderes Bild: Real (inflationsbereinigt) schrumpft das Geschäftsvolumen um 6,8%. Noch dramatischer ist die Entwicklung der operativen Marge, die von vormals komfortablen 12-14% auf jetzt 4,7% eingebrochen ist – ein Niveau, das selbst in der Finanzkrise 2008 nicht unterschritten wurde.

Die Zinseszins-Formel: BASFs Wachstumsrechnung unter dem Mikroskop

$$ A = P(1 + r)^t $$

In dieser Bewertungsgleichung steht P für das aktuelle Investitionsniveau von 6,2 Mrd. Euro in neue Produktionsstätten, insbesondere im chinesischen Zhanjiang. Der Zinssatz r repräsentiert die erhoffte Rendite aus Spezialchemie-Projekten (aktuell 5,7% vs. 9,3% Kapitalkosten). Die Zeitkomponente t wird zum kritischen Faktor: Kann BASF die schmerzhafte Transition von Bulk- zu Performance-Chemicals überbrücken, bevor die Bilanzresilienz erschöpft ist?

⚖️ Graham Fair-Value Rechner

Ist die Aktie aktuell unterbewertet?

Bullen vs. Bären: Ein Showdown mit harten Bandagen

Bullenthese: Die massive Verlagerung von 28 Mrd. Euro Assetwerten nach China bis 2030 katapultiert BASF in die Poleposition für Asiatens Wachstum. Die Batteriematerial-Sparte könnte zum neuen Cashcow werden, mit prognostizierten 29% CAGR- Raten. Der aktuelle Kurs unterhalb des Buchwerts (0,87x) bildet keinesfalls den IP-Wert der 47.000 Patente ab.

Bärenthese: Die europäischen Kernwerke verbluten langsam – Energiepreise fressen 3,4 Mrd. Euro Gewinn pro Jahr. Das China-Engagement entwickelt sich zum politischen Risiko, während gleichzeitig die US-Konkurrenten durch IRA-Subventionen 40-60% niedrigere Stromkosten genießen. Die Dividende (aktuell 7,2% Rendite) ist bei FCF-Deckungsgrad von 0,6x nicht nachhaltig.

Das Urteil: Ein Titel für hartgesottene Contrarian-Investoren

BASF bleibt ein hochriskantes Investment, das nur im Rahmen eines breit diversifizierten Portfolios Sinn ergibt. Die kommenden 12-18 Monate werden zeigen, ob der Unternehmensumbau gelingt oder ob weitere Rating-Herabstufungen folgen. Für tiefenvalue-orientierte Anleger könnte der Einstieg unter 40 Euro interessant werden.

Analyse vertiefen auf TradingView

Wie bewertet BASF im Vergleich zu LyondellBasell oder Dow Chemical?

Der Vergleich offenbart BASFs strukturelle Nachteile: LyondellBasell operiert mit 38% höheren EBITDA-Margen dank US-Energiekostenvorteil. Dow Chemical zeigt mit 14,3% FCF-Yield deutlich bessere Kapitaldisziplin. Allerdings hat BASF mit 29% höheren F&E-Quoten langfristig bessere Wachstumsparameter in Spezialchemie.

Ist die BASF-Dividende sicher?

Die aktuelle Dividendenrendite von 7,2% signalisiert Marktskepsis: Die Ausschüttungsquote von 218% des Free Cash Flows ist nicht tragfähig. Analysten erwarten bis Q4 2024 eine Kürzung um 30-40%, sofern nicht unerwartete Assetverkäufe Cash spritzen.

Welche alternativen Chemie-Investments sind vielversprechend?

Lindes Industriegase profitieren von Wasserstofftrends (22% ROIC). SGL Carbon ist ein reiner Player in Batteriematerialien (CAGR 34%). Covestro könnte als Übernahmeziel interessant werden – Abu Dhaba National Oil Company zeigte bereits Interesse mit mutmaßlichen 65€/Aktie Angeboten.

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